"Wort zur Woche" vom 12. Mai 2018

   Pfarrerin Jutta Schröppel

In atemberaubender Bergkulisse Gott nah sein!“ Mit diesen Worten ist die Reihe der Berggottesdienste überschrieben, zu denen in den kommenden Monaten eingeladen wird. Nicht wenige werden sich von der Einladung locken lassen und die Chance wahrnehmen, zum Gipfel eines Berges hochzufahren oder gar zu wandern, um in den Genuss dieses Erlebnisses zu kommen. Denn ein Gottesdienst auf knapp 2000 Meter Höhe das ist eine Gipfelerfahrung im doppelten Sinne.

Einer hat es so auf dem Punkt gebracht: „Wer oben auf dem Gipfel eines Berges steht, der fühlt sich dem Himmel ein Stück näher. Und wer dann seinen Blick über die Natur streifen lässt, der gerät regelrecht ins Staunen über das, was er wahrnimmt: die Vielfalt der Natur, die Frische und Reinheit, die Farben  und Klänge. Alles in allem ein wahres Wunderwerk!“ Eine Erfahrung, die Herz und Sinne öffnet für das Lob. Und er, dem es gilt, der alles so perfekt erschaffen hat, Gott, mag es hören! Immer wieder und an diesem Sonntag ganz besonders, trägt er doch den Namen „Exaudi“. Dieses Wort stammt aus dem Lateinischen und bezieht sich auf den Beginn des 7. Verses von Psalm 27: „Höre!“
Freilich, nicht immer ist es möglich, die Niederungen des Alltags zu verlassen und hoch oben auf einem Gipfel zu stehen. Manchmal zwingen einen einschneidende Lebensereignisse dazu, unten in der Tiefe auf dem Boden der Erde zu bleiben. Etwa, wenn große Not, wie Krankheiten und Krisen, einen  zu Boden wirft.
Manches von dem, was an Not und Leid über einen Menschen hereinbricht,  bekomme ich als Seelsorgerin hautnah mit. Und oft genug bekomme ich auch von der Sehnsucht mit, in dieser Not gehört zu werden. Wie gut, dass es für unsere beiden Krankenhäuser einen Ort gibt, wo das alles da sein darf. An den Schnittstellen der beiden Häuser ist eine Kapelle gebaut. Sie lädt dazu ein, das Bedrängende auszusprechen und sie lädt dazu ein, dem Vertrauen Raum zu geben, dass einer, dass ER, Gott, da ist und zuhört. Denn  Gott hört. Er hört Gebete, wie auch immer sie gesprochen werden. Er hört die lauten und die leisen Worte. Die sorgfältig formulierten Sätze wie auch die Worte, die nur stammelnd über unsere Lippen kommen. Und: Gott hört überall. Oben auf dem Gipfel eines Berges genauso wie unten auf der Erde in der Kapelle eines Krankenhauses. Er hört die Worte, die im Krankenzimmer gesagt werden, genauso wie die, die in den Kirchen gesprochen werden. Und er hört sie auch an all den anderen Orten, wo wir die Verbindung zu ihm aufnehmen.
Dass wir das glauben können und dass wir darauf vertrauen können, das ist das Beste, was uns passieren kann – eine Gipfelerfahrung im besten Sinne!
Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Jutta Schröppel